Mondrean - L.A. Spirit of Fashion

Croissants & Couture

1st FACES

FIRST – März 2011

Die AIDA-Erben: Andrea Bocan und Michael Prousek vereint der gute Geschmack: Er expandiert mit der Konditorei-Legende in den arabischen Raum, seine Schwester bringt kalifornischen Lifestyle nach Wien.

Auf den ersten Blick haben sie nicht viel mehr gemeinsam. Michael Prousek, 57, seit dem Tod des Vaters vor sieben Jahren alleiniger Chef der heimischen Konditorei-Legende Aida mit 27 Filialen, ruht unaufgeregt in ich selbst. Lauscht wohlwollend aufmerksam den feurigen Formulierungen seiner Schwester. Rundet das Gespräch hin und wieder schmunzelnd mit Anekdoten ab und versprüht Gemütlichkeit. Immer bedacht darauf, ihr nicht die Show zu stehlen oder etwa durch zu offensiven Bruderstolz herablassend zu wirken. Aida-Mitbesitzerin Andrea Bocan, 45, steht hoch konzentriert unter Starkstrom. Nach Jahren, in denen sie ganz ihrer Familie gehörte – Ehemann Thomas ist im lmmobiliengeschäft, die bei den Söhne Maximilian und Constantin sind gerade im Teenageralter –, zählt die ehemals in der Gastronomie Umtriebige den Herzschlag-Countdown zur Rückkehr aufs berufliche Parkett. “Die Buben sind groß genug. Es war Zeit”, bringt es Andrea Bocan auf den Punkt. Angesichts des Temperaments, mit dem sie ihr mutiges Unterfangen beschreibt, ist ohnehin schwer zu glauben, dass es sie so lange im Schoß der Familie halten konnte.

Umso größer ist das Abenteuer, auf das sich die Quereinsteigerin nun einlässt: Unter dem klingenden Namen Mondrean eröffnet sie Ende März
den ersten Concept-Store für kalifornischen Lifestyle an einer von Wiens renommiertesten Adressen, in der Dorotheergasse 13, in dem unter anderem Fashion, Schuhe, Accessoires sowie Kosmetik, Schmuck und Parfums angeboten werden. Eineinhalb Jahre lang bereitete die fokussierte Unternehmerin den Einstieg in die Fashionwelt vor. In der Akribie, mit der sie dabei Hindernisse umschiffte und mit sanftem Nachdruck Vorurteile entkräftete, erinnert sie dann doch an die umsichtige Gelassenheit des Bruders.
FIRST gewährten die Aida-Erben der dritten Generation ein rares Gesprächs-Doppel.

Sie eröffnen als Quereinsteigerin Ihren L.A.Style-Concept-Store “Mondrean” im ersten Bezirk in Wien. Wie mutig sind Sie, Frau Bocan?
Andrea Bocan Im Moment: sehr mutig! Manchmal wache ich in der Früh auf und bin selbst überrascht. Ich bin kein risikofreudiger Mensch, aber ich glaube an das Projekt. Wien braucht diesen Concept-Store mit kalifornischen Marken und ebensolchem Lebensgefühl.

Was ist denn in Los Angeles so anders?
Andrea Bocan In Los Angeles macht Einkaufen Spaß! Es ist ungezwungen. Man spürt vom Personal keinen Kaufzwang, sondern Freundlichkeit. Geholfen wird gerne, wenn man Beratung braucht, sonst kann man in Ruhe stöbern. So soll es im Mondrean-Store auch sein.

Herr Prousek, hat Sie der Wechsel Ihrer Schwester von der FamiLien-Managerin zur Fashion-Geschäftsfrau überrascht?
Michael Prousek Ein bisschen. Ich wusste, dass in ihr etwas steckt, das über das Muttersein hinausgeht, aber in welchem Genre sie sich verwirklichen könnte, war mir völlig unklar.

Frau Bocan, Ihre Söhne MaximiLian und Constantin sind 14 und 12 Jahre alt. Was sagen die zur plötzlich berufstätigen Mama?
Andrea Bocan Anfangs waren sie nicht begeistert, und auch mein Mann hat gesagt: “Warum kaufst du dir Arbeit?” Heute sind sie sehr stolz auf mich, und auch mein Mann unterstützt mich wunderbar. Meine Söhne sind auch sehr modebewusst. Jeder hat seinen eigenen Geschmack, und das Shoppen dauert stundenlang. Natürlich gehört jede freie Minute weiterhin ihnen, auch wenn ich jeden Tag im Store sein werde.

Sie zeigen sich gerne mit Ihrem Modeberater und Testimonial Uwe Kröger auf dem Society-Parkett, während Ihr Bruder das Rampenlicht meidet. Waren Sie immer die Extrovertiertere?
Andrea Bocan Gott, ich bin gar kein Gesellschaftstiger! Das hat sich durch den Beruf so ergeben. Uwe muss mich oft vor die Kameras zerren, weil es dazugehört, aber es fällt mir schwer. Unser Vater hat uns beigebracht, nicht alles nach außen zu tragen. Er war bekannt und in der Wiener Gesellschaft beliebt, aber er war nicht in den Medien präsent und gab uns diese Lebensart weiter: am Boden zu bleiben, nicht abzuheben.

Michael Prousek Ich war früher viel unterwegs. Heute habe ich einen guten Bekanntenkreis, den ich aber lieber im kleinen Rahmen pflege.

Das Motto von “Mondrean” ist “Beim Shoppen den Alltag vergessen”. Können Sie damit etwas anfangen, Herr Prousek?
Michael Prousek Ich bin kein übertrieben modischer Mensch, aber ich habe gerne schöne Sachen und bin, wie meine Schwester, ein Schuhfetischist.

Andrea Bocan Er ist einer der wenigen Männer, die dunkelblaue Schuhe tragen! Das ist großartig.

Michael Prousek Das Einkaufen darf aber nicht zu lange dauern. Ich muss nicht stundenlang gustieren. Die Entscheidung fällt, wenn ich in die Auslage schaue. Wenn der Schuh passt, ist er gekauft.

Wie ist das umgekehrt: Könnten Sie in der “Aida” beim Tortenbacken helfen, Frau Bocan?
Andrea Bocan (lacht) Ja, ich bin ja ausgebildeter Koch. Ich habe die Hotelfachschule Modul gemacht. Zum Abschluss musste ich neben vielen anderen Kochprüfungen eine Sachertorte backen und glasieren, und ich weiß noch genau, wie unser Vater sagte: “Mir ist egal, ob du durchfällst, nur mit der Sachertorte darfst du mich nicht blamieren. Ich habe dann Sachertorten bis zum Umfallen gebacken . Weil die Glasur bis zuletzt nicht perfekt war, hat er mir zum Schluss 15 Sachertorten hingestellt, die ich zum Üben glasieren musste. Bei der Prüfung war das Fazit entsprechend: “klar, die Tochter eines Zuckerbäckers!”

Haben Sie nie überlegt, ins Familienunternehmen einzusteigen, das Erbe gemeinsam weiterzuführen?
Andrea Bocan Das stand nie zur Diskussion. Ich wollte meinen eigenen Weg gehen und habe mich meinem Mann in der Gastronomie selbständig gemacht. Aber das ist nicht sehr familienfreundlich. Vor drei Jahren habe ich überlegt, aus meiner Leidenschaft für Inneneinrichtung einen Beruf zu machen, doch die Idee musste ich verwerfen, weil ich nicht zeichnen kann (lacht).

Heißt das, Sie müssen heute in der “Aida” Ihren Kaffee bezahlen?
Andrea Bocan Nein, ich bin ja Mitbesitzerin, habe eine Aida-Karte, und manchmal erkennt man mich.

War klar, dass bald wieder eine Berufung außerhalb der familiären Aufgaben wartet?
Michael Prousek Das ist bei vielen Frauen so, wenn die Kinder groß werden. Bei meiner Frau Sonja war das sogar viel früher der Fall. Mein Sohn war zweieinhalb, als er zu meiner Frau gesagt hat: “Mama, jetzt wird’s Zeit, dass du was tust!” Sie hat die Kosmetikmarke La Ric gegründet, und der zweite Sohn ist schon damit aufgewachsen. Beide Kinder waren bei den Messen und haben den Damen Maniküren gemacht (schmunzelt).

Bei Ihnen wurde es Mode, Frau Bocan…
Andrea Bocan Ich war von klein auf modebegeistert.
Michael Prousek Meine Schwester war bekannt dafür, dass sie Schuhe und Taschen immer passend im Farbton zum Obergewand getragen hat!

Andrea Bocan (lacht) Das war so eine Marotte von mir. Ich war nie ein Labelfreak, aber Mode war immer meine Passion, das stimmt.

Wie begegnen Sie Vorurteilen von Neidern a la “Schon wieder eine Boutique”?
Andrea Bocan Ich mache ja nicht einfach nur eine Boutique auf. Natürlich braucht man ein außergewöhnliches Konzept. Das entstand aus der Frage, warum ich in Los Angeles, statt in der Sonne zu liegen, lieber die Melrose Road noch ein fünftes Mal abgeklappert hätte. Die Antwort waren diese tollen Marken und das Lebensgefühl in Sachen Shopping, das es in Wien nicht gibt.

Klingt sehr einfach. Müssten Sie für Ihren Fashion-Traum auch Hürden überwinden?
Andrea Bocan O ja. Anfangs bekam ich von allen Marken, die ich nach Wien holen wollte, negatives Feedback. Dann begann ich eine akribische Vorbereitung, wie sie sonst niemand macht: Ich habe Präsentationsfolder drucken lassen – das hat beeindruckt. Nun habe ich alle 46 Marken, die ich wollte.

Herr Prousek, Ihre Schwester bezeichnet Sie als “großen Bruder”. Sehen Sie sie als “kleine Schwester”?
Michael Prousek Das war früher so. Ich bin 13 Jahre älter und habe sie oft in die Schule in der Hofzeile gebracht und wieder abgeholt. Darauf war sie immer sehr stolz (lacht). Heute sehe ich sie nicht mehr als kleine Schwester, denn sie ist von der behüteten Tochter zur toughen Geschäftsfrau geworden. Das gefällt mir. Sie ist persönlich sehr an diesem Projekt gewachsen.
Andrea Bocan Für mich wird er immer der große Bruder
bleiben. Der Mensch, zu dem ich komme, wenn ich Probleme habe. Ich habe Bewunderung für meinen Bruder, weil so eine Firma zu führen nicht leicht ist. Gleichzeitig haben wir eine Freundschaft, auf die ich sehr stolz bin. Wir hatten immer ein sehr intaktes Familienleben.
Michael Prousek Ja, unser Vater war ein Idol für uns, und wir haben viel Zeit mit ihm verbracht. Als ich längst verheiratet war und Kinder hatte, haben wir Urlaube zusammen verbracht.

Wie wichtig ist die Erhaltung des “Aida”-Erbes, welche Werte vermitteln Sie Ihrem Sohn?
Michael Prousek Dominic wird im April 25 Jahre alt und macht gute Anstalten, das Geschäft weiterzuführen. Er ist damit die vierte Generation, da spielt Tradition eine Rolle. Ich versuche ihm aber auch zu vermitteln, dass Modernes möglich ist. Man muss Innovationen zulassen, wie unsere kleinste Torte der Welt – das sind 50 Millimeter große Torten-Quadrate –, die es sogar ins Guinness Buch der Rekorde schaffte.

Reizt es Sie manchmal, das Retro-Interieur der “Aida” umstyleln, Frau Bocan?
Andrea Bocan Nein, die Vergangenheit hat gezeigt, dass Kunden durch radikale Renovierungen eher abgeschreckt werden.
Michal Prousek Ich finde es schade, wenn man heute in Kaffeehäuser geht und alle gleich aussehen. Die Aida soll ihrem Erscheinungsbild treu bleiben. Darauf basiert auch unser Franchise-Konzept, das wir gerade umsetzen. Wir freuen uns ganz aktuell über Geschäftsabschlüsse in Saudi-Arabien in Riad und Jeddah. Mein Sohn, der auf der International School war, denkt später sicher auch an den amerikanischen Markt. Er spricht fast besser Englisch als Deutsch (lacht).